dscn5482Diesen Beitrag hole ich in jedem Herbst immer wieder hervor, weil die kleinen stacheligen Igel mir sehr am Herzen liegen. Und der Herbst ist die Zeit, wo wir die meisten Igel sehen können.

Da der natürliche Lebensraum der Igel immer mehr zerstört wird, wandern sie in die Siedlungsgebiete der Menschen ab um dort Nahrung und Unterschlupf zu finden. Parks und unsere Gärten gehören nun zu ihren Rückzugsgebieten, die wir mit wenig Aufwand igelgerecht gestalten können, denn der Anspruch der Igel an ihren Lebensraum ist relativ gering.

Es ist wichtig, den Garten oder wenigstens einige Teile des Gartens, möglichst naturnah zu belassen, Reisig- und Laubhaufen einfach einmal liegen lassen, denn vielleicht ist dort ja schon ein Igel eingezogen.

dscn5642Hat man Freude dran, kann man auch einen Unterschlupf selber bauen aus einem Steinhaufen oder aber in Form von Kisten, mit Natursteinen, Grassoden, Laub oder anderen natürlichen Baumaterialien.

Zum Wohle der einheimischen Tiere sollte man auch einheimische Gehölze pflanzen, denn exotische Blumen und Hecken sind zwar schön anzusehen und duften auch gut, aber sie locken unsere einheimischen Insekten nicht an, die so wichtig als Nahrungsquelle für die kleinen Igel sind und sie gewähren auch keinen guten Unterschlupf.

Igel sind sehr nützliche Helfer im Garten, denn immerhin stehen auf dem Speiseplan der Igel die Tiere, die wir wiederum als Schädlinge in unserem Garten ansehen wie z.B. Käfer, Schnecken, Asseln, Tausendfüßler, Insekten, Spinnen usw.

Aber es gibt auch viele Gefahrenquellen für die Igel wie z.B. Rasenmäher und -kantenschneider, Heckenscheren, Mistgabeln, Laubsauger, Kunstdünger, Insektizide, Pestizide, Netze und Gitter, Maschendraht, Swimming Pools und steilwandige Teiche, Giftköder, Mausefallen, Plastikmüll, Gullys und selbstverständlich der Straßenverkehr.

Aber auch Lichtschächte von Kellerfenstern, Kellertreppen, Laub- und Astverbrennung und geschlossene Räume wie Garagen oder Gartenhäuser sind Gefahrenquellen für Wildtiere. Deswegen sollte man immer darauf achten, ob sich nicht ein hilfloses Tier irgendwo eingesperrt befindet oder eine Treppe heruntergefallen ist und mit seinen kurzen Beinchen die großen Treppen nicht wieder hinaufkommt. Auch in Laub- und Reisighaufen sollte man vorher schauen, bevor man sie entfernt oder anzündet.

Durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt und mit einem wachen Auge können wir die Igel und viele andere Tiere retten.

dscn5479Doch Igel sind keine Haus-, Kuschel- oder Schmusetiere. Wir dürfen es den Igeln zwar in unseren Gärten „gemütlich“ machen, aber die Igel nicht einfach bei uns im Hause aufnehmen. Wildtiere gehören nun einmal in die Natur und das regelt zum Glück auch das Bundesnaturschutzgesetz. Die einschlägigen Gesetzesvorschriften erlauben jedoch, hilfsbedürftige Igel artgerecht und sachgemäß aufzuziehen bzw. gesund zu pflegen, wenn es ihnen nicht gut geht.

Aber welcher Igel ist hilfsbedürftig?

Verletzte Igel
Kranke Igel
Verwaiste Igelsäuglinge
Jungtiere, die Anfang November noch deutlich unter 500g wiegen.
Igel, die bei Dauerfrost oder Schnee herumlaufen

Man erkennt diese Tiere meist schon daran, dass sie tagsüber Futter suchen, denn Igel sind normalerweise dämmerungs- und nachtaktiv. Kranke oder verletzte Tiere erkennt man an den äußerlichen Verletzungen oder sie torkeln oder liegen irgendwo apathisch herum. Kranke Tiere rollen sich nicht ein, wenn man sie berührt. Ein gesunder normalgewichtiger Igel ist birnenförmig, ein abgemagerter Igel hat die Form einer Wurst und ist am Nacken eingefallen. Das Röcheln bei einem Igel deutet auf Lungenwürmer hin.

Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich womöglich kühl anfühlen, sind mutterlos und benötigen dringend Hilfe. Man sollte aber immer die Gegend gut beobachten, ob sich die Igelmutter noch in der Nähe aufhält, bevor man ein Igeljunges aufnimmt.

Wichtig!! Wenn man ein krankes, verletztes Tier oder ein verwaistes Igeljunges gefunden hat, sollte man sich umgehend an einen Tierarzt, ein Tierheim (haben häufig Wildtierstationen) oder an eine Igelstation bzw. Igelberatungsstelle wenden, denn einen Igel gesund zu pflegen oder aber aufzuziehen bedarf einiger Arbeit und Sachkenntnis, damit der kleine stachelige Freund irgendwann wieder quicklebendig in die Natur ausgesetzt werden kann. Schon kleine Fehler bei der Pflege können zum Tode des stacheligen Freundes führen.

Für die allererste Notfallversorgung hier ein paar Tipps:

  • Außenparasiten entfernen – Fliegeneier, Zecken und Maden müssen unbedingt sofort von dem kleinen Wesen mit einer Pinzette abgesammelt werden. Die Tiere nicht baden (nur unter Anleitung eines Tierarztes)! Igelsäuglinge werden grundsätzlich nicht mit Insektiziden behandelt.
  • Unterkühlte Igel und Igelsäuglinge wärmt man mit einer handwarmen Wärmflasche, die mit einem Handtuch umwickelt ist und in einen passend hochwandigen Karton gelegt wird. Hierauf setzt man dann den Igel und deckt den Körper leicht mit einem weiteren Handtuch zu.
  • Igel fressen Katzen- oder Hundedosenfutter oder Rinderhackfleisch / Tatar (kurz anbraten, nie roh geben!), ungewürztes Rührei, ein hartgekochtes Ei oder gekochtes Hühnerfleisch (enthäutet) – ABER KEIN BROT. Igelsäuglinge bekommen eine Ersatzmilch, die man beim Tierarzt oder evtl. im Tierheim erhält.
  • Zum Trinken immer ein Schüsselchen Wasser hinstellen. KEINE MILCH !!, damit gefährdet man den kleinen Igel. Schwachen Tieren flößt man mittels einer Plastik-Einwegspritze (natürlich ohne Nadel!) lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee ein.
  • Fundort, Fundstelle und Gewicht des Igels notieren. Das Gewicht ist zur Altersbestimmung sehr wichtig und der Fundort sollte auch der Ort sein, wo der gesunde Igel wieder ausgesetzt wird.
  • Kot sammeln für die Unterschung beim Tierarzt. Eine Kotuntersuchung gibt Aufschluss über Infektionen oder Innenparasiten.

dscn5619Aktuell besuchen uns zwei Igel täglich. Sie waren anfangs noch ein wenig klein, weswegen wir sie etwas zugefüttert haben und sie haben nun ein schönes Winterschlaf-Gewicht von 770g und 750g. In unserem Garten haben wir schöne Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen für winterschlafende Tiere und bei den ersten Nachtfrösten, werden sich Schucki und Putzi (ja, sie haben Namen 😉 ) dann wohl dorthin zurückziehen. .

Viele ausführliche und sehr interessante Informationen gibt es bei PRO IGEL EV. Dort können auch Informationsblätter heruntergeladen werden.

Auch viele Tierheime haben zumeist „Aufzuchtstationen oder -pfleger“ für verwaiste Wildtierbabys.

Einfach mal nachfragen, denn fragen kostet nichts. Nicht zu fragen kostet aber vielleicht einem Igel das Leben. 

Hat jemand Igelhäuser oder Winterquartiere (z.B. auch Insektenhotels) gebaut oder den Igeln und anderen Tieren auf natürliche Art und Weise einen schönen Unterschlupf für den Winter gewährt?

dscn5475

 

HERBSTZEIT = IGELZEIT
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