Wer Freigänger-Katzen oder speziell einen Freigänger-Kater hat, der noch dazu denkt er sei der König der Welt, der hat es nicht immer leicht.

Um einen “Kampfkater” zu halten und ihn über das ganze Leben hinweg zu begleiten braucht man Nerven aus Stahl, eine gute Notfallapotheke (ggf. einen guten Tierarzt) und ganz viel Verständnis für die natürlichen “Macken” dieser Kater.

Auch darf man keine Angst haben vor einer stetig geöffneten Katzenklappe und vor allerlei Geschenken (vom Frosch bis zum Kaninchen), die der geliebte Kater einem von seinen Touren mitbringt.

Das liegt daran, dass gerade die Haudegen häufig bei ihren Menschen zu Schmusetigern mutieren und ihnen gern Geschenke machen. Und praktisch ist es auch, denn wenn man morgens noch etwas verschlafen im Wohnzimmer eine tote Ratte findet, treibt das ohne Kaffee den Blutdruck hoch und macht hellwach. Aber gerade das macht sie auch so liebenswert, denn es ist ein wertvolles und wunderbares Geschenk Katzen in ihrer Natürlichkeit beobachten und mit ihnen leben zu dürfen.

Revierkämpfe

Katzen sind sehr territorial und wenn ihnen der Nachbarskater absolut nicht passt, dann ist immer wieder Kampf angesagt. “Kampfkater” erkennt man an den vielen Narben und Furchen an Ohren und Nasen. Das Fell an den Wangen ist viel dicker als bei Hauskatern, was den natürlichen Sinn hat, dass es zwischen Katern draussen öfter mal was “an die Backen” gibt und so größere Verletzungen vermieden werden können.

OP nach infizierter Bisswunde
OP nach infizierter Bisswunde

Für Freigänger-Katzen und im speziellen für “Haudegen” sollte man sich eine “Kamika(t)ze-Notfallbox” zusammenstellen, damit man bei Bedarf sofort Erste-Hilfe leisten kann, denn Nasenkratzer, eingerissene Ohren, Blutungen usw. kann man in der Regel selbst versorgen.

Aber Vorsicht, denn Katzen haben an ihren Zähnen viele Bakterien und deswegen sind Katzenbisse gefährlich und die Wunden können sich schnell infizieren. Ist das der Fall, kommt man um eine Operation häufig nicht herum.

Um das möglichst zu vermeiden, sollte man seinen Kater eingehend untersuchen, wenn er mal wieder zerrupft nach Hause kommt, denn gerade Bisse sind unter dem Fell nur sehr schlecht zu finden.

Erste Hilfe für Freigänger-Katzen

Die Kamika(t)ze-Notfallbox (wie ich sie nenne) ist also ein MUSS nicht nur für “Kampfkater”, sondern für alle Freigänger-Katzen und sie sollte mindestens beinhalten:

mittel
Erste-Hilfe Katzen

Traumeel-Tabletten ad.us.vet  
gegen physische und psychische Traumata.

Nach einem Katerkampf gibt man sofort 1 Tablette und dann im Anschluss über den Tag verteilt noch 4-5 mal 1 Tablette. Ab dem 2. Tag gibt man nach Bedarf 2-3 mal 1 Tablette bis zu einer Besserung der Beschwerden. Die Tabletten können einfach zerbröselt und über das Futter oder in einem Leckerchen gegeben werden. Sie können aber auch in ein wenig Wasser aufgelöst und dann flüssig eingegeben werden.

Ferrum Phosphoricum (Schüssler-Salz Nr. 3 in D12)
zur Blutstillung

Die Wunden sollte man selbstverständlich immer erst etwas ausbluten lassen, damit Bakterien ausgeschwemmt werden, aber wenn es zu stark blutet und nicht aufhört, werden von den Tabletten 1-2 Stück pulverisiert und auf die Wunde gegeben. Das stillt die Blutung dann ziemlich schnell.

Bachblüten-Rescue (Notfall) Globuli und 10ml Pipettenflasche zum Anmischen. Bei Bedarf sofort 4 Globuli in 10 ml stillem Wasser in der Pipettenflasche auflösen und davon 4 Tropfen direkt ins Mäulchen geben. Dieses dann so oft wie nötig wiederholen.

Propolis-Tinktur
Bei allen offenen Verletzungen ist Propolis äußerlich einsetzbar gegen Bakterien, Viren und auch Pilzbefall. Die Wunde wird mit Propolis desinfiziert (immer erst etwas ausbluten lassen) und geschlossen. 10 Tropfen Propolis-Tinktur auf eine halbe Tasse abgekochtes Wasser geben und die Wunde damit mehrmals täglich betupfen.

Propolis-Pulver
gilt als ein natürliches Antibiotikum und stärkt die Darmflora, was für ein starkes Immunsystem notwendig ist. Vom Propolis-Pulver gibt man bei Bedarf 2 mal täglich eine kleine Messerspitze über das Futter. Propolis eignet sich auch hervorragend als Wurmkur. Es tötet nicht die Würmer, aber es verändert das Darmmillieu und stärkt es so, dass sich Parasiten dort nicht wohlfühlen. Wer mehr darüber wissen möchte,  kann das gern unter Wurmkur mit Propolis nachlesen.

Notfallbox für Freigänger-Katzen

Weitere notwendige Utensilien der Kamika(t)ze-Notfallbox:

utensilien
Zeckenzange, Pinzette und Flohkamm für Katzen
  • Pinzette
  • Zeckenzange und/oder Zeckenkarte (je nachdem, was einem besser zusagt – ich nehme eine Pinzette)
  • Pinzette (zum Zecken entfernen oder um Krallen oder Splitter vom Kampf aus der Haut zu entfernen)
  • Flohkamm- nach Kämpfen ist das Immunsystem etwas geschwächt und Parasiten können sich schneller einnisten
  • 2 kleine Spritzen ohne Nadel (Medikamentengabe und Wundreinigung)
  • Steri-Strips setzt man bei tiefen bzw. klaffenden Wunden ein, damit sie besser zusammenwachsen
  • Selbstklebende Binden
  • 1 abgerundete Schere falls man einmal Fell wegschneiden muss, um an eine Wunde zu kommen
  • sterile Mullgazetupfer
  • Einmal-Kühlpack oder ein ständig griffbereites Kühlpack im Gefrierschrank
kamikaze-notfallset
Erste Hilfe Set Katze

Als Box eignet sich hervorragend eine Lunchbox, weil sie luft- und wasserfest verschließbar und noch dazu schön leicht ist. Für mich ist das immer sehr wichtig gewesen, weil ich ab und zu auch mal draußen meinen Kater verarzten oder aber in der Nachbarschaft Kater-Erste-Hilfe leisten musste. Es empfiehlt sich, für die Notfallbox kleinere Mengen der Mittel in verschließbaren Röhrchen aufzubewahren (s. Bild).

So ist man für den Notfall und die Erstversorgung immer gut gerüstet und muss sich nicht erst alles zusammensuchen oder sofort zum Tierarzt, der gerade abends, nachts und an den Wochenenden natürlich auch nicht immer erreichbar ist.

Als Bezugsquelle für Produkte mit Propolis in hervorragender Qualität kann ich übrigens nachfolgenden Shop empfehlen: Silkes-Imkereibedarf (dieses ist keine Werbung, sondern lediglich eine unverbindliche und unbezahlte Empfehlung). Dort bekommt man auch kleinere Mengen – wie z.B. 5g Propolis, was für Katzen und die Notfallbox absolut ausreichend ist.


Noch ein Hinweis, zu dem ich aus rechtlichen Gründen verpflichtet bin:
Alle Hinweise und Tipps auf dieser Seite ersetzen selbstverständlich keinen Besuch beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker. Sie dienen lediglich als Hilfe für die Erstversorgung, wenn kein Profi in der Nähe oder erreichbar ist. Und jeder entscheidet am Ende selbst, wie er seine "Fellnase" versorgen möchte.

 

Kamika(t)ze – Notfallbox

4 Gedanken zu „Kamika(t)ze – Notfallbox

  • Mai 12, 2019 um 2:15 pm
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    Danke für diese Tipps.

    Übrigens nimmt Charlie das Nierenfutter gut an; er trinkt nicht mehr so viel und puschert auch weniger. Gott sei Dank. In der übernächsten Woche haben wir einen Termin zur Zahnsteinentfernung. Die Ärztin macht das mit einer Einschlaf- und danach wieder Aufwach-Spritze. Muss ich da ggf. etwas beachten? VLG zu Dir

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    • Mai 13, 2019 um 10:21 am
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      Nein eigentlich nicht. Danach kann das Zahnfleisch ein bißchen gereizt sein, aber eigentlich sollte da alles gutgehen. Es ist schön, dass Charlie das Nierenfutter annimmt. Wenn seine Werte noch nicht arg schlecht sind, ist aber normales Futter auch immer noch gut, damit die Muskeln usw. gut erhalten bleiben, denn Nierenfutter ist in der Regel proteinreduziert. LG ILONA

  • Mai 13, 2019 um 6:01 pm
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    Danke für Deine rasche Antwort. Seitdem er das Nierenfutter (wir teilen es zwischen normalem und diesem Spezialfutter auf) bekommt, frisst er auch wieder mehr Trockenfutter. Die Ärztin meinte, dass Perser eh sehr an Trockenfutter interessiert sind – konnten wir vorher aber nicht so wirklich feststellen. Sicherlich hängt das alles miteinander zusammen. Auf jeden Fall geht es ihm jetzt doch besser. Ich werde die Ärztin nochmals “löchern”, um mehr über die genauen Nierenwerte herauszubekommen. Ganz liebe Grüße – Sonja.

    Antworten
    • Mai 14, 2019 um 10:23 am
      Permalink

      Oh, man kann sich immer eine Kopie geben lassen von den Blutbildergebnissen. Ich hefte die immer in einen Ordner, so dass ich immer auch selber vergleichen kann, ob und was sich verändert hat, ob es nur etwas akutes war oder evtl. auch etwas chronisches usw. Meine Tierarztpraxis mailt mir immer die Ergebnisse, aber die faxen die auch, wenn man nicht extra hinfahren möchte. Da kann man einfach nett mal anfragen und sagen, dass man das für seine “Akte” möchte. Als Tierhalter hat man auch Anrecht drauf….hat man ja auch bezahlt 😉 😉 LG Ilona

Ich freue mich über jeden Kommentar, denn er ist eine Wertschätzung für meine Arbeit ;-)

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